Alternsforschung

Der Unterschied zwischen Altern und Alter ist für die Alternsforschung von großer Bedeutung (Kruse 2007): Altern beschreibt einen lebenslangen Prozess, der von kontinuierlich verlaufenden Veränderungen des Organismus und fortschreitender Wandlung bestimmt ist; Alter stellt eine eigene Lebensphase dar. In welchem Lebensalter diese Lebensphase erreicht wird, ist nicht nur von den Veränderungen abhängig, die im Prozess des Alterns auftreten, sondern ist auch das Ergebnis gesellschaftlicher Konventionen.

Mehr hierzu beim BMBF-Foresight-Prozess:
Das Altern entschlüsseln

Diskussion zu Langlebigkeit und Immortalität auf CNN
Futuredocs Kommentar: Science oder Fiction? Spinner oder Visionäre? Oder einfach gute Geschäftemacher? In Bezug auf die Verlängerung von Lebens- bzw. Gesundheitsspanne halte ich es lieber mit dem Kommentar von Arthur C. Clarke: "Man tendiert dazu, überoptimistisch in kurzen Zeiträumen und unteroptimistisch in längeren Blickwinkeln zu sein."

Der Alterungsprozess und das vermehrte Auftreten von Erkrankungen
Die Prävalenz (also das Auftreten) vieler Erkrankungen ist oftmals mit einem höheren Lebensalter gekoppelt (»Alter und Krankheit sind zwei Seiten der gleichen Medaille«). Daraus speist sich die Hoffnung, dass mit einem besseren Verständnis der Alterungsprozesse im menschlichen Organismus auch neue Erkenntnisse über die Pathomechanismen (Ursachen) von unterschiedlichen Leiden gewonnen werden können. Aber selbst wenn dies irgendwann der Fall sein sollte, werden sich viele Ländern intensiv mit Personen mit Demenz (PmD) auseinandersetzen müssen, da deren Zahl in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich stark ansteigen wird (siehe Abbildung, Daten der Internationalen Alzheimergesellschaft 2009).

Demenz

Der Begriff Demenz wird synonym mit dem Begriff Hirnleistungsstörungen gebraucht. Er beschreibt unterschiedliche Krankheitsbilder, die durch erworbene Einbußen von intellektuellen Fähigkeiten und des Gedächtnis auffallen. Die Mehrzahl der Demenzformen sind Erkrankungen des höheren Lebensalters. Selbst wenn schnelle therapeutische Durchbrüche gelingen sollten, wird die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) in den nächsten Jahren auf Grund des demografischen Wandels in den Industrie-, aber auch den so genannten Entwicklungsländern weiter rasch ansteigen. In Deutschland leben zurzeit ca. eine Million Menschen, die an einer Demenz leiden. Davon haben rund 700.000 eine Alzheimer Demenz - dies ist also die häufigste Form). Jährlich treten 200.000 Neuerkrankungen auf.

Bei der Demenz handelt es sich um ein großes Problem im gesundheitlichen Versorgungssystem:

  • die Demenzerkrankung wird tabuisiert und als Variante des Älterwerdens klassifiziert,
  • das Wissen über diagnostische Verfahren und adäquate Behandlungsmöglichkeiten ist nicht ausreichend vorhanden,
  • die Aus-, Weiter- und Fortbildungscurricula weisen Defizite auf,
  • eine Diagnosestellung erfolgt oft spät,
  • viele Pflegeeinrichtungen sind für Demenzerkrankte nicht ausreichend eingerichtet und / oder leiden unter personellen Engpässen,
  • (Pflegende) Angehörige und professionell Pflegende werden physisch und psychisch stark belastet,
  • Demenzkranke können naturgemäß nur schwer ihre Beschwerden und Wünsche vorbringen,
  • es fehlt ein therapeutisches Gesamtkonzept, und nur eine Minderheit der Erkrankten erhält eine für sie adäquate Therapie,
  • aus Kostengründen (Budgetierung) besteht Zurückhaltung bzgl. einer nichtmedikamentösen oder pharmakologischen Therapie, deren Wirksamkeit zudem kontrovers diskutiert wird und bei der valide Langzeitdaten weitgehend fehlen,
  • die Demenz ist bei sorgfältiger Therapie und Betreuung eine der kostenintensivsten Erkrankungen überhaupt.